Videokunst

 

 

 

Dialoge. 13:25, 2019


Anton Jež wurde 1925 in Ljubljana geboren. Er ist der letzte Zeitzeuge, der noch über seine Gefangenschaft im KZ-Außenlager Überlingen-Aufkirch berichten kann.

In zahlreichen Ausstellungen dokumentierte und erzählte er die Geschichte des Lagers, unterstützt und begleitet von seinem Sohn Dušan Jež.
Der wesentliche Ausgangspunkt 
für die Erinnerungsarbeit waren Tarockkarten, die sein Lager-Kamerad
Boris Kobe Anfang Mai 1945 gezeichnet hatte.

Die Karten zeigen Szenen aus den Konzentrationslagern Dachau, Überlingen-Aufkirch sowie Allach,
wo Jež und Kobe befreit wurden.
Mona Rabofsky entwickelt ihre Arbeit 
aus der Video-Aufnahme eines Interviews, das Anne-Berenike Rothstein und Michaela Haibl im August 2018 in Ljubljana mit Anton und Dušan Jež führten,
gefilmt von Niklas Knezevic

In Form einer Dichten Beschreibung fokussiert die Arbeit auf Aussagen zu verschiedenen Ebenen von Zeugnis und Zeugenschaft und bringt diese in Bezug zueinander.       
Die Arbeit basiert auf der Struktur der Szenen auf den Tarock-Karten:
Zwei  Perspektiven auf dieselbe Situation erzählen vom Sprechen und Schweigen über das Erlebte.

 

 

 

 

 



 

Momentaufnahme Auratisch / Kein Signal, 2019

In der Gedenkstätte Goldbacher Stollen

 

 

 

 

 

Etwas ist geblieben... 26:19, 2016

 

Ein Research–Projekt, mit dem Ausgangspunkt einer Auftragsarbeit für eine Gedenkveranstaltung im Landesgericht am 26.10.2016 mit Präsentation der vierbändigen Sammlung Lisl Rizy / Willi Weinert (Hg.): Mein Kopf wird euch auch nicht retten. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft.
Im Zuge des Projektes waren 15 Stunden an Interviewmaterial entstanden, die nicht einfach im Archiv landen sollten.


Die Herangehensweise folgt einem Zitat aus Walter Benjamins Passagen-Werk:
„Methode dieser Arbeit: literarische Montage.
Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen.
Ich werde nichts Wertvolles entwenden und mir keine geistvollen Formulierungen aneignen.
Aber die Lumpen, den Abfall: die will ich nicht inventarisieren, sondern sie auf die einzig mögliche Weise zu ihrem Rechte kommen lassen: Sie verwenden.“


Das so entstandene Video wurde im Dezember 2016 im Schütte-Lihotzky Raum präsentiert.


Hintergründe:
Um die 600 österreichische Widerstandskämpfer*innen wurden 1938 bis 1945 im Wiener Landesgericht enthauptet.
Geblieben sind Briefe von der Verhaftung bis in die Todeszellen, die Kinder und Enkelkinder der Hingerichteten zum Teil noch verwahren.
Über 15 Stunden an Interview-Aufnahmen wurden analysiert und geschichtet um eine neue Erzählform zu entwickeln, die sich abseits der lediglichen Weitergabe des Traumas bewegt.
Die Interviewpartner*innen werden so gezeigt, wie sie sich selbst präsentieren. Es gibt keine Regieanweisungen und keine Set-Beleuchtung. Der Sinngehalt des gesprochenen Wortes lenkt die entstehende Erzählung.

 

 

 

 

sich sammeln... 42:28, 2009/2012 

 

 

 

Kunstraum als sakraler Raum; Objekte ausstellen, sammeln und schaffen als bedeutungsstiftende Handlungen.
Gesagtes wird in visuelle Ebenen transportiert: Bilder werden gesammelt, zugeordnet, aneinandergereiht, gestaltet, erinnert, um eine Aussage zu treffen; der Informationsgehalt verdichtet sich zusehends.
Abstrahiert wird in erster Linie durch Schichtung.
Ein Kreisen um den Kunstbegriff.

Meine Versuche mit der Kamera basieren auf meinem Interesse an Darstellungsstrategien und den vielen Ebenen, die visuell transportiert werden können. In „sich sammeln...“ bediene ich mich kameraethnographischer Methoden, um diese weiterzuentwickeln.

Zur Gliederung des Videos nutze ich unterschiedliche Dingbedeutsamkeiten beschreibende Verben, im assoziierten Bild transportiere ich das neu konstruierte Wissen in Form eines Gefühls, ähnlich einer Intuition.
Künstlerische Praxis ist mir auf den Punkt gebrachte Empfindung, aus welcher die Betrachtenden mittels Ansteuerung weiterer Assoziationsketten weiteres Wissen konstruieren können. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt mein Video also ein künstlerisches, obwohl ich mich wissenschaftlicher Methoden bediene - es fehlt der in Begriffe fassende Part zur Konstruktion diskursfähigen Wissens.

 

Für mich hat es immerhin den Wert, es erkannt zu haben

Martin über Bretter die er aufbewahrt, da sie ihn an Buchstaben und Zahlen erinnern.

 

 

 

 

Für das Technische Museum Wien

 

Meine feste Anstellung im Technischen Museum Wien ist mir mehr als einfach nur Brotarbeit:

Die Herausforderung, physikalische Zusammenhänge und Abläufe mittels des artverwandten Apparates Kamera in bewegte Bilder zu übersetzen, eröffnet mir Metaebenen, welche ich wiederum in die künstlerische Praxis mit einfließen lasse.

Hinzu kommt die zwingende Reflexion hinsichtlich der Verhältnisse zwischen Objekt und Abbild, sowie des Sammelns und Zeigens auf Objekt- als auch medialer Ebene.

 

Durch diese Herangehensweise entstehen untrennbar mit meiner künstlerischen Arbeit verknüpfte Visualisierungen, welche sich auch innerhalb derselben Themenkomplexe bewegen:

Wie kann ich künstlerische Strategien nutzen um wissenschaftliche Inhalte darzustellen?
In welchen Zusammenhängen stehen Objekt, Abbild als auch Ausstellungsort zueinander?
Welcher Art ist das Wissen, das durch die Schichtungen von Ort, Objekt und Bewegtbild erzeugt und vermittelt wird?
Kann dieses Wissen unsere soziale Gemeinschaft anrühren?

 

 

 

Beispiel: Objektinszenierung Mercedes Silberpfeil

 

rauschen, 3:44, 2014; Videoinstallation über 6 Monitore zum Mercedes Silberpfeil.

Geschwindigkeitsrausch – Heldentum – Krieg, Propaganda – Rasen in den Tot.

weitere Videos (Auswahl)

the room is large and very high, 2006 / 2008

 

Horizontale und vertikale Bewegungen im (sozialen) Raum sowie die soziale Interaktion sind Grundthemen der Gesellschaftswissenschaften, die Selbstreflexion ist Bedingung der forscherischen Tätigkeit.  Ich verbinde mich als Fixpunkt mit meiner Kamera, dem Blick des Betrachters, der sich durch den Raum auf mich zu / von mir weg bewegt, die ausgeführte Handlung erinnert an eine Raumvermessung, die ich mit einem 50m Artband vornehme. Der Betrachter wird zum Beobachter, die Forschende zur Beobachteten.   Beide Kapitel bestehen aus ungeschnittenen Plansequenzen, die Bilder wirken `pur´, eine Anspielung auf Überlegungen zur Darstellung von `Wirklichkeit´.   Der Englischkurs auf Schellack (1) als Tonspur zur Lektion 2, „the room is very high“, erinnert an die Zusammenhänge von Text und Kontext und steht im Kontrast zum Originalton in Lektion 1, „the room is large“. Daraus entsteht ein Spiel mit den Verknüpfungen verschiedener Aspekte der empirischen Forschung in den Sozialwissenschaften und der Darstellung mit visuellen Medien, dessen Inhalte sich auch in der Bild-Ton-Schere einander annähern um sich anschließend voneinander zu entfernen.

 

(1) Cosmophone: English 1a (von 1a bis 12b) Cosmophone School Ltd. Zürich-Hamburg

 

 

 

 

 

 

 

 

Kooperationen 

 

Performancegruppe Vocal Naps (seit 2016)
Konzepte: Anne Glassner, Nicole Krenn, Monika Rabofsky

 

Members: Patricia Bustos, Karin Diaz, Anne Glassner, Harwig Hermann, Nicole Krenn, Monika Rabofsky, Fred Riegler, Lena Saukel, Elia Stefan

 

Vocal Naps in Kooperation:
 

 
 

 

 

 

 

Circular with Laura Oriol and Jasmin Schaitl - Research-Projekt 2017


https://vimeo.com/222790171 

 

 

 

 

SITZEN - Research-Projekt (seit 2015)

 

Das gemeinsame Projekt mit Werner Chromecek fand 2015 seinen Anstoß aus der permanenten Ausstellung SITZEN im Wiener Museum angewandter Kunst (MAK), in deren Rahmen nicht nur hunderte Sitzgelegenheiten verschiedener Epochen ausgestellt sind, sondern auch ein Schaubild mit Auszügen der mehr als 1.000(!) Zeichnungen von Sitz-Positionen aus aller Welt des US-Amerikanischen Ethnologen Gordon W. Hewse, die dieser im Jahr 1957 unter dem Titel The Anthropology of Posture im Scientific American Magazine veröffentlichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Monika Rabofsky